Interview mit der Verwaltungsberufsgenossenschaft

Arbeitsschutz in den Fitness-Studios

15 Fragen an Kirsten Zimmermann, VBG Hamburg

In der Fitness-Branche ist das Thema BGM in aller Munde. Der Fokus liegt dabei darin, mit Firmen zu kooperieren und möglichst die eigenen Umsätze zu steigern. Viele Studio-Betreiber verkennen, dass Sie selbst auch Arbeitgeber sind und somit ebenfalls Pflichten aus verschiedenen Gesetzen und Verordnungen erfüllen müssen. Ebenso besteht, genauso wie in jedem anderen Betrieb eine Fürsorge-Pflicht gegenüber den Mitarbeitern.

BARTH Sportmanagement beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Arbeitsschutz in der Fitness-Branche. Im Rahmen dieser Tätigkeit führte Achim Barth ein Interview mit Kirsten Zimmermann von der Verwaltungsberufsgenossenschaft in Hamburg.

Barth: Fitness-Betriebe und Sportvereine sind Mitglieder bei der VBG. Welche Leistungen erbringt die VBG für ihre Mitgliedsbetriebe?

Zimmermann: Die VBG ist eine der großen Berufsgenossenschaften in Deutschland. Als gesetzliche Unfallversicherung bietet sie in rund 36 Millionen Versicherungsverhältnissen Sicherheit. Unternehmen sichern sich durch die Mitgliedschaft in der VBG gegen die immensen Kosten ab, die durch Arbeitsunfälle entstehen können. Im Schadensfall handelt die VBG schnell und bietet ihren Versicherten ein komplettes und sicheres Betreuungssystem. Das Ziel ist die Genesung der Betroffenen, um ihnen so die schnelle Rückkehr in ihr gewohntes Lebensumfeld zu ermöglichen. Sollten gesundheitliche Einschränkungen die Rückkehr an den Arbeitsplatz erschweren, erarbeiten die Expertinnen und Experten der VBG – oft gemeinsam mit den Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen – Möglichkeiten der beruflichen und sozialen Rehabilitation und Inklusion.

Barth: Neben der Berufsgenossenschaft gibt es auch die Gewerbeaufsichtsämter. Wie unterscheiden / bzw. ergänzen sich diese Institutionen?

Zimmermann: Als gesetzliche Unfallversicherung kümmert sich die VBG um die Belange der Versicherten. Die VBG tritt in beratender Funktion auf. Das Gewerbeaufsichtsamt befasst sich mit dem Thema Sicherheit der allgemeinen Öffentlichkeit und ist auf Ebene der Bundesländer aktiv. Grundsätzlich können beide Institutionen Defizite im Arbeitsschutz beanstanden.

Barth: In der Vergangenheit hatte die Berufsgenossenschaft den Ruf, Betriebe zu kontollieren und bei Verstößen zu sanktionieren. Heute versteht sich die Berufsgenossenschaft als Partner und Berater. Wie zeigt sich dieses neue Rollenverständnis gegenüber den Mitgliedsbetrieben?

Zimmermann: Zum einen schult die VBG Beschäftigte der Mitgliedsunternehmen hinsichtlich des Arbeitsschutzes an den Seminarstandorten und zum anderen beraten VBG-Aufsichtspersonen direkt im Unternehmen. Sie kümmern sich um die Durchführung der Präventionsmaßnahmen, wobei Unfallverhütungsvorschriften die rechtliche Grundlage bieten. Die Prävention umfasst sowohl sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Maßnahmen zu Ergonomie und Arbeitsorganisation als auch zu Fragen der Arbeitspsychologie.

Barth: BARTH Sportmanagement bewegt sich als Beratungsunternehmen in der Fitness- und Gesundheitsbranche. Die Kunden sind Fitness-Center, Physiotherapie-Praxen und Sportvereine. Ist die VBG für alle diese Unternehmen zuständig?

Zimmermann: Die VBG ist die gesetzliche Unfallversicherung des bezahlten Sports und versichert darüber hinaus auch Sportvereine. Therapeutische Praxen sind bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege versichert.

Barth: Frau Zimmermann, Sie sind als Aufsichtsperson für die VBG-Mitgliedsbetriebe der Fitnessbranche zuständig. Was ist an der Branche besonderes?

Zimmermann: Jedes Unternehmen hat die Chance durch wirksame Präventionsmaßnahmen die Belastungen und damit das Gefährdungsrisiko zu senken. In der Fitnessbranche ist dies nicht anders. Allerdings ist hier die Beeinflussung der Arbeitsorganisation durch die eigenen Kundinnen und Kunden des Fitnessunternehmens sehr groß. Hier gilt die Aufmerksamkeit neben der Tätigkeit des Personals und Trainingspersonals auch der Koordination mit den Besucherinnen und Besuchern des Fitness-Studios, zum Beispiel in puncto Notfallmanagement. Sicherheit für die Beschäftigten und Sicherheit für die Kunden. Das Thema Gesundheit ist in der Branche natürlich schon besonders etabliert.

Barth: Der Gesetzgeber hat die Unfallversicherungsträger damit beauftragt, sorge dafür zu tragen, dass die Anforderungen aus dem Arbeitsschutzgesetz und anderen Gesetzen, wie z. B. dem Arbeitssicherheitsgesetz durch die Unternehmer erfüllt werden. Wie macht das die Berufsgenossenschaft und welche Verpflichtungen ergeben sich damit für die Unternehmer allgemein?

Zimmermann: Die Aufsichtspersonen der VBG besuchen in regelmäßigen Abständen die versicherten Unternehmen und stehen ihnen in Sachen Arbeitsschutz beratend zur Seite. Sie informieren über Unternehmerpflichten, rechtlichen Anforderungen und Neuerungen und erstellen mit den Arbeitsschutzverantwortlichen unternehmens- und branchenspezifische Konzepte zur Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren und Berufskrankheiten. Hierzu werden u.a. Risikoanalysen durchgeführt und Optimierungsvorschläge entwickelt, auch unter wirtschaftlichen Aspekten. Weiterhin stehen themen- und branchenbezogene Seminare in den VBG-Akademie kostenfrei zur Verfügung. Informationen können jederzeit auch über unsere Homepage www.vbg.de abgerufen werden.

Barth: Welche Anforderungen ergeben sich konkret für die Betreiber von Fitness-Studios?

Zimmermann: Die Verantwortung für den Arbeitsschutz haben die Unternehmer, aber auch Führungskräfte, beauftragte Personen. Die Arbeitsschutzorganisation muss aufgebaut sein, ein Betriebsarzt oder eine Betriebsärztin, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit entsprechend der Unternehmensgröße bestellt sein, ggf. muss ein Sicherheitsbeauftragter, Ersthelferinnen/Ersthelfer, Brandschutzhelferinnen/Brandschutzhelfer geschult und benannt werden. Als zentrales Handlungskonzept ist eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen vorzunehmen. Hier können die erwähnten Personen und auch die VBG helfen, um mögliche Gefährdungen für die Beschäftigten zu ermitteln und Maßnahmen abzuleiten. Hilfreich ist dabei der Praxis-Check für Fitness-Studios und auch die Unterweisungshilfe Fitness-Studios, denn in jedem Unternehmen muss mindestens einmal jährlich eine Arbeitsschutzunterweisung durchgeführt werden.

Barth: Gibt es seitens der VBG Unterstützung für die Betreiber von Fitness-Einrichtungen?

Zimmermann: Auf der Webseite der VBG gibt es beispielsweise die schon erwähnte Unterweisungshilfe für Fitness-Studios, um den Beschäftigten allgemeine und betriebsspezifische Hinweise für ein sicheres und gesundes Arbeiten zu geben und auch den PRAXIS-CHECK Fitness-Studios. PDF Download

Weitere Info-Medien u. a. zum sicheren Betreiben von Arbeitsstätten, zum Brandschutz, zum Notfallmanagement, aber auch Faltblätter, Gesundheitsmagazine und branchenspezifische Seminare stehen auf der Webseite www.vbg.de zur Verfügung. Sie können sich auch jeder Zeit vor Ort durch die VBG-Experten beraten lassen.

Barth: Wie findet ein Fitness-Unternehmer seinen richtigen Ansprechpartner?

Zimmermann: Die VBG ist bundesweit mit elf Bezirksverwaltungen vertreten. Durch Angabe der Postleitzahl finden Fitness-Einrichtungen auf der Website der VBG den für sie zuständigen Ansprechpartner.

Barth: Welche Rechtsfolgen hat es für den Betreiber einer Fitness-Einrichtung, wenn er bewusst oder unbewusst seine Unternehmerpflichten aus dem Arbeitsschutz nicht erfüllt?

Zimmermann: Zur Grundpflicht des Unternehmers oder der Unternehmerin gehört u. a. nach der Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ die erforderlichen Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sowie für eine wirksame Erste Hilfe zu treffen. Unternehmen haben die Maßnahmen zu planen, zu organisieren, durchzuführen und erforderlichenfalls an veränderte Gegebenheiten anzupassen. Sie handeln zum Beispiel ordnungswidrig im Sinne des § 209 Absatz 1 Nummer 1 Sozialgesetzbuch Siebtes Buch (SGB VII), wenn sie vorsätzlich oder fahrlässig den Bestimmungen des § 24 Abs. 6 zur Dokumentation der Ersten-Hilfe-Leistungen, deren Verfügbarkeit von fünf Jahren und der vertraulichen Behandlung, zuwiderhandeln. Bei Ordnungswidrigkeiten kann es zur Ahndung bis zu 10.000 Euro durch die Berufsgenossenschaft kommen. Bei einem Arbeitsunfall und grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz ist auch die Möglichkeit des Unternehmerregresses gegeben, das heißt hier geht es um die Aufwendungen der Berufsgenossenschaft. Prävention lohnt sich also, nicht nur als sozialer Faktor sondern auch als sinnvoller wirtschaftlicher.

Barth: Welchen zusätzlichen Nutzen hat ein Fitness-Studio, wenn es aktiv Arbeitsschutz betreibt?

Zimmermann: Prävention heißt ohne Schaden klug zu sein, agieren und nicht reagieren, sich aktiv für die Gesundheit der Beschäftigten einzusetzen, sicher und erfolgreich zu arbeiten und dabei auch erfolgreich zu bleiben, mit einem guten Image. Jeder Unfall, der verhindert werden kann, erspart nicht nur Leid, sondern auch weitere Kosten und damit Beiträge.

Barth: Was kann ein Betrieb jetzt tun, wenn er mit Arbeitsschutz beginnen will?

Zimmermann: Arbeitsschutz von Anfang an systematisch betreiben, mit gesundem Menschenverstand und aufgeschlossen gegenüber Verbesserungen. Zum Beispiel schon bei der Existenzgründung fachkundige Berater mit an den Tisch holen, um beim ersten Mietvertrag oder Umbau an Arbeitsschutzanforderungen denken und die Beschäftigten mit in die Prozesse einbinden, Ideen zulassen, um die Ressourcen des Unternehmens kontinuierlich zu verbessern. Nach und nach kann sich dann ein Arbeitsschutzmanagement etablieren. Gestartet wird immer mit einer Bestandsaufnahme, der sogenannten Gefährdungsbeurteilung. Ziele müssen klar definiert sein, Maßnahmen sind zu entwickeln, festzulegen und umzusetzen.

Danach kommt es zur Überprüfung der wirksamen Umsetzung der festgelegten Maßnahmen, um den stetigen Verbesserungs- und Optimierungsprozess im Unternehmen in Gang zu bringen.

Barth: Gibt es Praxisbeispiele, wie Fitness-Einrichtungen den Arbeitsschutz aktiv angehen?

Zimmermann: Es gibt viele gute Praxisbeispiele, die zeigen, dass mit klaren Unternehmensleitbildern, Unternehmenszielen und einer gelebten Präventionskultur, die den Arbeitsschutz integriert, ein guter sicherer und vor allem erfolgreicher Betrieb möglich ist. Unternehmen machen das bewusst öffentlich, u. a. durch Aushänge und Verträge. Die Ausbildung/Weiterbildung des Personals erfolgt gezielt mit Inhalten der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes. Branchenbezogene Checklisten werden genutzt, um zum Beispiel Fitnessgeräte und bauliche Einrichtungen zu prüfen oder Serviceverträge werden vergeben. Prüfplaketten sind sichtbar, auf angemessene Einweisungen und Unterweisungen wird Wert gelegt.

Barth: Die VBG berät ihre Mitgliedsunternehmen nicht nur im Arbeitsschutz, sondern auch im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Was bieten Sie hier genau an?

Zimmermann: „GMS – Gesundheit mit System“ ist ein Dienstleistungsangebot der VBG zur Umsetzung des betrieblichen Gesundheitsmanagements. GMS nutzt die Strukturen des vorhandenen betrieblichen Arbeitsschutzes, Ansprechpartner der VBG helfen bei der Umsetzung des Konzepts. GMS verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz zur Verbesserung der betrieblichen Organisation, denn es zielt nicht auf einzelne Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Es ist eng verzahnt mit dem betrieblichen Arbeitsschutz und kann im Rahmen der Begutachtung eines integrierten Managementsystems für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit mitbetrachtet werden. Voraussetzung dafür ist das Vorliegen eines Betrieblichen Arbeitsschutzmanagements.

Barth: BARTH Sportmanagement hat sich zur Aufgabe gemacht, das Thema Arbeitsschutz in der Fitness-Branche aktiv zu fördern. Wie beurteilt die VBG dieses Engagement?

Zimmermann: Jegliche fachlich fundierte Beratung hilft dabei, Arbeitsschutz im Unternehmen nicht nur akzeptabel, sondern auch attraktiver zu machen. Branchenkenntnisse und Kenntnisse im Sportmanagement gebündelt mit Sachverstand als Fachkraft für Arbeitssicherheit entsprechen dem Gedanken der Integration des Arbeitsschutzes in alle betrieblichen Prozesse.


Sehr geehrte Frau Zimmermann, herzlichen Dank für das freundliche und informative Gespräch.


Kirsten Zimmermann

VBG Hamburg
www.vbg.de

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Achim Barth – Trainer, Berater & Coach

Achim Barth ist Experte für betriebliches Gesundheitsmanagement sowie für Qualitätsmanagement.

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