Wieso soll ich als Betreiber einer Fitnesseinrichtung BGM-Maßnahmen in Unternehmen anbieten? [TEIL 1]

Zukunftsforscher sehen im Gesundheitsmanagement in Deutschland einen kommenden Mega-Trend. Die Gründe dazu liegen auf der Hand. Der demografische Wandel hinterlässt in den nächsten Jahren seine Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die letzte Generation der geburtenstarken Jahrgänge, die Baby-Boomer-Generation, ist 1966 geboren. Das heißt, alle Baby-Boomer sind bis in 15 Jahren verrentet. Den Baby-Boomer-Jahren folgte ab 1967 der „Pillenknick“ und die Zahl der Geburten ging jährlich, bis heute zurück.

Die Unternehmen müssen sich dieser Situation frühzeitig stellen, um Fachpersonal zu gewinnen und vorhandenes Personal lange leistungsfähig im Betrieb zu halten.

Unter dem genannten Gesichtspunkt des demografischen Wandels ist es auch absehbar, dass sich das Renteneintrittsalter stark nach oben verschieben wird. Ich gehe davon aus, dass die Jahrgänge ab 1970 aufwärts bis zum 75. Lebensjahr arbeiten müssen.

Um bis in dieses hohe Alter leistungsfähig im Erwerbsleben bestehen zu können müssen die Arbeitgeber zukünftig die Rahmenbedingungen schaffen. Der gesetzlich definierte Arbeitsschutz wird sich zukünftig stark dem präventiven Gesundheitsschutz widmen.

Arbeitsschutz, das Führungsverhalten und die betriebliches Gesundheitsförderung wird als betriebliches Gesundheitsmanagement  eine Führungsaufgabe für alle Unternehmen.

Im präventiven Bereich werden die Unternehmen zukünftig auf Experten zurückgreifen, welche geeignete Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung für die Belegschaft umsetzen sollen. Also auch auf private Gesundheitsdienstleister im Einzugsgebiet.

Wenn Sie als Fitness-Anbieter zu diesen Experten zählen wollen, müssen Sie neben dem theoretischen Wissen über den Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements auch praktische Lösungen, wie z.B. §20-Präventionskurse, betriebliches Gesundheitstraining oder Gesundheitscoaching anbieten.

Zudem müssen Sie die Probleme und Herausforderungen, denen sich die Unternehmen, hinsichtlich BGM, stellen zumindest nachvollziehen können. Dazu benötigen Sie theoretisches Grundlagenwissen.

Eine Möglichkeit, sich theoretisches Basiswissen anzueignen, bietet zum Beispiel die BSA-Akademie mit der Ausbildung zur Fachkraft für betriebliches Gesundheitsmanagement. In Praxis-Seminaren, wie meinem zweitägigen BGM-Seminar erhalten die Teilnehmer nicht nur einen aktuellen Überblick sondern auch Werkzeuge in die Hand, die direkt angewandt werden können. Ausgebildete „Fachkräfte“ können in diesem Seminar das erworbene Wissen wieder auffrischen und sich mit den anderen Teilnehmern austauschen.

Wichtig ist auch, die Begriffe im BGM richtig anzuwenden. Gerade in der Fitness-Branche wird sehr oft „BGM“ gesagt, aber eigentlich „BGF“ gemeint.

Stellen Sie sich ein Haus mit einem ausgeprägten Fundament und drei Zimmern, sowie einen großen Dach vor. Das ist das BGM-Haus. Es besteht aus dem Fundament – das stellt das  Führungsverhalten dar. Also die Bereitschaft, durch „Gesundes Führen“ die Basis zu schaffen, dass sich die Arbeitnehmer auch gesundheitsfördernd verhalten. Über dem Fundament liegen die drei Zimmer. Zimmer Nr. 1 ist der gesetzlich vorgeschriebene Arbeitsschutz im zweiten Zimmer, das ebenfalls gesetzlich geregelte Eingliederungsmanagement (BEM) und im 3. Zimmer die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), quasi die Kür, oder um im Beispiel zu bleiben, das Spielzimmer. Denn die Gesundheitsförderung ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, wenngleich steuerlich gefördert.

Das Dach bildet das Managementsystem (BGM), darunter versteht man die Integration in die Prozesse und Abläufe des Unternehmens. Idealerweise integrieren die Unternehmen ihr BGM in ein bestehendes Qualitätsmanagementsystem, oder das Arbeitsschutzmanagement-System wird um den Bereich BGM erweitert.

Nach dieser Definition werden Sie als Betreiber eines Fitness-Centers im Regelfall die Unternehmen nicht beim Aufbau eines BGM-Systems unterstützen, sondern aufgrund Ihrer Kernkompetenz, als Experte und Partner bei der betrieblichen Gesundheitsförderung beauftragt werden.

Im nächsten Teil dieses Artikels stelle ich Ihnen vier Werkzeuge vor, mit denen Sie sich als Experte für Betriebliche Gesundheitsförderung positionieren können.

Achim Barth